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Die Geschichte der Neuhauser SPD 


Das Gründungslokal der SPD „Zum Bengesser“ hieß später „Neuhauser Hof“ und bestand bis zum Februar 1921. Später zog das Schuhhaus Suyer ein. 1988 wurde das Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Heute befinden sich darin die Redaktionsräume des Neuhauser Nymphenburger AnzeigersMit einem Empfang im Neuhauser Trafo an der Nymphenburger Straße feiern die drei Neuhauser SPD-Ortsvereine am 6. Oktober das 130-jährige Bestehen der SPD in Neuhausen.
Auf eine spannende und ereignisreiche Geschichte können die Genossen der Neuhauser SPD zurückblicken: 130 Jahre SPD. Am 28. August 1876 wurde die SPD Neuhausen im Gasthaus "Zum Bengesser" in der heutigen Donnersbergerstraße 22, Ecke Schlörstraße gegründet. (Die Donnersbergerstraße hieß zu dieser Zeit noch Sendlinger Straße, wurde später in Uhlmannstraße umbenannt und erhielt erst am 1. Januar 1895 ihren heutigen Namen.)

 

Die Initiative zur Gründung der SPD in Neuhausen kam von dem Buchdrucker Maximus Ernst (1848–1929), der auch zu den Gründungsvätern der Münchner SPD gehörte. Der erste Vorsitzende war Friedrich Zink (1843–1914), sein Stellvertreter der Neuhauser Schuhmacher Xaver Islinger.

 

Die neu gegründete SPD in Neuhausen musste mit enormen Schwierigkeiten leben, die vor allem von Seiten der Behörden unter dem damaligen Neuhauser Bürgermeister Joseph Kammerloher gemacht wurden. So wurde bereits die Gründungsversammlung behördlicherseits aufgelöst, nachdem einige Teilnehmer der Obrigkeit nicht genehme Worte fallen ließen. Trotz aller Widerstände hat die SPD ihre Arbeit aufgenommen und Anfang 1877 die ersten Arbeiterversammlungen durchgeführt.
Doch bereits 1878 mussten alle öffentlichen Aktivitäten eingestellt werden, nachdem durch Bismarcks Erlass der „Sozialistengesetze“ die Sozialdemokratische Partei verboten wurde. Die Parteiarbeit konnte nur noch illegal und im Untergrund betrieben werden. Um sich weiterhin treffen zu können, wurden Gesangs-, Sport- und Gesellschaftsvereine mit unverdächtigen Bezeichnungen gegründet, bei denen die Regierung allerdings regelmäßig Polizeispitzel einschleuste. Der Gründer, Maximus Ernst, war in dieser Zeit mehrmals wegen „sozialistischer Umtriebe“ im Gefängnis. Trotzdem gelang es der Neuhauser SPD im Jahr 1887 in der Blutenburg-Brauerei in der Landshuter Allee zwei Versammlungen mit je 500 Besuchern zu veranstalten. Diese Zahl zeigt die große Sympathie, die die Sozialdemokraten in der Bevölkerung hatten.

 

Reichstagswahlplakat von 1907Erst zwölf Jahre später, nach dem Fall der „Sozialistengesetze“ 1890, war die offene Arbeit wieder möglich. Bei der Reichstagswahl im gleichen Jahr konnte die Münchner SPD die Wahlkreise München I und München II gewinnen. In Neuhausen hat die SPD mit Georg von Vollmar 55,5 Prozent der Stimmen erhalten und war damit eine der sozialdemokratischen Hochburgen in München. Bei den Landtagswahlen 1899 errang die SPD in den drei Neuhauser Wahllokalen 58,8 Prozent der Stimmen. Der erste kommunale Mandatsträger der Neuhauser Sozialdemokraten war Engelbert Maier, der 1905 in das Münchner Gemeindekollegium nachrückte, das damals zusammen mit dem Magistrat zuständig war für die Verwaltung und Regelung der kommunalen Belange.

 

Die Organisation der Sozialdemokratie in München oblag ab 1898 dem „Sozialdemokratischen Verein München“. In den Stadtteilen sind „Sektionen“ entstanden. Neuhauser Sektionsführer war bis 1901 der Ofensetzer Konrad Reißer aus der Schulstraße. Ihm folgten der Schuhmacher Georg Gallenmüller aus der Birkerstraße und ab 1911 der angestellte Oskar Dürr, der Jahre später, von 1945 bis 1948, dem Stadtrat angehörte.

 

1912 war die Zahl der Parteimitglieder auf annähernd 1 500 angestiegen, so dass beschlossen wurde, die Sektion Neuhausen zu teilen in Neuhausen I und Neuhausen II. Die Grenze zwischen den beiden Sektionen bildete die Landshuter Allee. Doch schon 1919 war eine weitere Teilung nötig geworden. Es entstanden die Sektion Neuhausen I, die den Bereich östlich der Landshuter Allee bis zum Oberwiesenfeld abdeckte, die Sektion Neuhausen II, die das Viertel um die Triva- und Heideckstraße sowie die Ebenau umfasste, und die Sektion Neuhausen III, die für den Teil westlich der Landshuter Allee zuständig war.

 

Dann kam die Zeit des unheilvollen Naziregimes. Am 26. April 1923 kam es vor der Gaststätte „Volkshalle“ in der Schulstraße zum ersten Straßenkampf zwischen SPD und Nazis in Deutschland. In der Folgezeit wurden die politischen Veranstaltungen der SPD oft von faschistischen Gruppierungen gestört. Nach der Machtergreifung 1933 war wiederum der Untergrund angesagt. Der Neuhauser Sozialdemokrat Ludwig Koch wurde 1938 wegen politischen Widerstands verhaftet und saß sieben Jahre in NS-Gefängnissen.

 

Unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde die politische Arbeit in den drei SPD-Sektionen in Neuhausen wieder aufgenommen. Aus den Sektionen wurden Ortsvereine. Aus der Sektion Neuhausen I ist der Ortsverein Neuhausen-Oberwiesenfeld entstanden, aus Neuhausen II der Ortsverein Neuhausen-Ebenau und aus Neuhausen III der Ortsverein Neuhausen-Nymphenburg.
Bei den ersten Bezirksausschusswahlen 1948 konnte die Neuhauser SPD die Stimmenmehrheit gewinnen und mit Anton Zwierlein den ersten Vorsitzenden im damaligen BA 21, Neuhausen-Nymphenburg, stellen. Damals gab es in Neuhausen noch drei Bezirksausschüsse. Neben dem BA 21 gabe es noch den BA 23, Neuhausen-Oberwiesenfeld, und den BA 28, Neuhausen-Moosach. Die SPDler aus dem Ortsverein Oberwiesenfeld waren im BA 23, die Genossen aus dem Ortsverein Ebenau im BA 28 vertreten.

 

Auch heute ist Neuhausen noch eine sozialdemokratische Hochburg in München. Im Bezirksausschuss sind die Mitglieder der drei SPD-Ortsvereine mit 19 von 39 Sitzen vertreten. Die Vorsitzende, Ingeborg Staudenmeyer, die vor der Stadtgebietsreform 1996 schon den früheren BA 23 erfolgreich geleitet hat, ist als „Stadtteilbürgermeisterin“ weit über die Grenzen Neuhausens bekannt und beliebt und wenn es um die Durchsetzung der Interessen für Neuhauser Bürger geht, bei der Verwaltung gefürchtet. Im Münchner Stadtrat ist die SPD Neuhausen mit Oliver Belik und Angelika Gebhardt vertreten. Rainer Volkmann vertritt die SPD im Bayerischen Landtag.

 

Die Ortsvereine selbst arbeiten eng zusammen und verstehen sich gemeinsam als „Die Neuhauser SPD“. Die beiden Ortsvereine Neuhausen-Oberwiesenfeld und Neuhausen-Ebenau, die ehemaligen Sektionen Neuhausen I und Neuhausen II, sind der heutige Ortsverein Neuhausen. .

 

Autor - Helmut Kudsk -. kudsk.de 

 

 

 

 

 

 

 

 

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